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Malawi: Meine abenteuerliche Busfahrt in Afrika!

Malawi, Cape Maclear, Kinder am Strand

Malawi Abenteuerliche Busfahrt: Morgens um 6 Uhr stehe ich abfahrbereit vor der Gecko Lounge in Cape Maclear. Das verabredete Motorrad erscheint blöderweise erst nach einer halben Stunde.
Nun denn!
Aufgesessen und ab geht’s.
Die Zeit drängt um den 7-Uhr-Bus im 20 km entfernten Monkey Bay zu erreichen.
Nach 2 km ist dann der Ofen aus. Irgendwas streikt am Hinterrad.
Anhalten. Absteigen.
Endstation auf einer einsamen Straße.
Fuck!
“Stunden” später nähert sich ein Motorrad – allerdings aus der Gegenrichtung.
Kurzes Palaver zwischen den beiden Fahrern und das Motorrad fährt weiter, kehrt aber nach 10 Minuten wieder zurück, um mich zu meinem Bus zu bringen. Der ist inzwischen natürlich weg.
Change of plan.

Busfahrt in Afrika I: Im Minibus von Monkey Bay nach Salima

Jetzt ist also der Zeitpunkt gekommen, an dem auf dieser Reise zum erstenmal der ungeliebte Minibus herhalten muss.

Ich bin erst der zweite Passagier! Das bedeutet in der Regel langes Warten.

Vom Fahrer bekomme ich das Versprechen, dass es sofort losgeht.
Natürlich!
Aber so blöd bin ich ja nun auch nicht. Schließlich ist er Geschäftsmann und muss seine abgeranzte Karre erstmal voll kriegen. Sein zwischenzeitliches Angebot den ganzen Bus zu mieten, lehne ich dankend ab.
Irgendwann reicht es selbst ihm und er hat ein Einsehen. Er startet erstmal mit mir und 4 weiteren Passagieren.

Sofort ist das Innere in dichte Rauchschwaden gehüllt. Es stinkt nach verbranntem Öl und Benzin. Ich halte meinen Kopf aus dem Fenster und giere nach frischer Luft. Fahrer und Anheizer, der für die Kundenakquise und das Kassieren zuständig ist, versichern, dass sich der Qualm gleich legen wird.

Bereits nach 100 Metern erfolgt unter lautem Hupen und Schreien um weitere Passagiere zu bekommen der erste Stop. Es tut sich trotzdem nichts und so tuckern wir langsam weiter, immer mit lautem hupen und Geschrei auf der Suche nach neuen Kunden.

Der Qualm im Inneren denkt derweil überhaupt nicht daran sich zu verziehen und wabert in einer dichten Wolke durch den Innenraum.
Während der Fahrt erkläre ich dem Anheizer, dass er keine hohe Lebenserwartung hat. Auf seine Frage nach dem Warum, erkläre ich ihm, dass diese Dämpfe pures Gift für seine Lungen sind, zumal, wenn man ihnen ständig ausgesetzt ist.

Lakonische Antwort: „What can I do? I have no choice“.

Irgendwie schaffen sie es dann im Laufe der dahinschleichenden Fahrt den Wagen vollzukriegen und zwar wesentlich voller als mir lieb ist.

Es ist unbeschreiblich, wie und was da alles reingequetscht wird. Neben mir sitzt eine Frau mit einem verstörten Huhn, dass sich die ganze Zeit lautstark beschwert. Ich möchte am liebsten einstimmen.

Der Bus ist zeitweise so voll, dass der Anheizer die Schiebetür von außen mit einem kräftigen Schub zumacht und dann durch das Fenster mit einer Körperhälfte wieder einsteigt. Die andere Hälfte muss erstmal draußen bleiben.
Immerhin kommen wir nach 4 Stunden in Salima an.
Von hier soll es in der Früh einen Bus nach Nkhata Bay geben.

Aber was heißt hier in der Früh? Mittlerweile haben wir 11 Uhr!

Busfahrt in Afrika II: Von Salima nach Nkhata Bay

Salima hat einen richtigen Busbahnhof, mit Ticketschalter und so. Und da fahren nicht nur Minibusse ab, sondern von Zeit zu Zeit auch große. Die sollen ja viel bequemer sein und nicht alle paar Meter auf Passagiersuche anhalten.

Tatsächlich soll auch um 11:30 Uhr einer dieser fantastischen Busse von hier nach Nkhata Bay fahren.

Und wirklich – für hiesige Verhältnisse unglaublich pünktlich – taucht um 12 Uhr ein Bus auf. Schon beim ersten Anblick, bricht sofort eine betriebsame Hektik aus. Alles rafft Gepäckstücke zusammen und jede Menge Verkäufer, ausgerüstet mit Wasser in kleinen durchsichtigen Plastikkissen, hartgekochten Eiern, Donuts, Brot, Mangos, Süßigkeiten, aber auch Zahnpasta und Zahnbürsten und noch so manch Undefinierbarem, stürzen sich auf den bereits bis auf den letzten Platz besetzten Bus.

Hallo? Ich dachte der startet hier!

Es gelingt mir mich als zweiter vor der Einstiegstür zu postieren.
Ich bin stolz.

Die Frau vor mir mit ihren zwei Kleinkindern versucht sofort nach dem Öffnen der Tür in den Bus zu gelangen, wird aber von einigen aussteigenden Passagieren zurück gedrängt.
Zum Glück gibt es Passagiere, die hier austeigen. Aber zu wenige, denn viele standen bereits vorher im Gang.

Von hinten werde ich geschubst und plötzlich gibt es von der linken Seite eine neue Schlange.
Wo kommen die denn auf einmal her?
Ich verteidige mühsam, aber erfolgreich meinen Platz.

Was soll ich bloß mit meinem Rucksack machen? Soll ich jetzt wirklich meinen Platz aufgeben und versuchen ihn in dem dafür vorgesehenen Stauraum unterzubringen?
Ich entscheide mich gegen die Platzaufgabe und den Stauraum.
Ich lasse meinen Rucksack nach dem Einsteigen mutig einfach neben dem leeren Fahrersitz liegen, in der Hoffnung, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Dann bahne ich mir meinen Weg in den hinteren Teil.
Es ist mühsam, weil ich über Gepäckstücke steigen und mich an Mitreisenden vorbeiquetschen muss. Schließlich ergattere ich tatsächlich einen Platz neben einer älteren Dame.

Eine Weile geschieht gar nichts, d.h. der Bus ist voll, fährt aber nicht los. Dann startet zwar der Motor, aber das hat offensichtlich nichts weiter zu bedeuten.
Immerhin, nach einer Viertelstunde geht es endlich los. Erstmal zur Tankstelle und dann wieder zurück zum Busbanhof!
Neue Leute quetschen sich rein. Und irgendwann geht es dann auch wirklich los.

Auf dem Schoß meiner Nachbarin sitzt mittlerweile ein kleines Kind. Das ist an sich nichts Schlimmes. Bloß dieser kleine Teufel betatscht mich die ganze Zeit mit seinen heißen Patschehänden und strahlt mich dabei scheinheilig an. Und dann kneift und kratzt er mich auch noch. Als ob das nicht reicht, trampelt er gleichzeitig mit seinen Schuhen auf mir rum.
Mir ist heiß.
Ich bin genervt und will, dass er endlich aufhört…

Längst ist es dunkel geworden als wir endlich ankommen.
In Nkhata Bay begrüßt mich James an der Endhaltestelle. Er holt mich mit einem Taxi ab, um mich zum Mayoka Village zu bringen.
Ich hatte zwar eine Mail geschrieben, dass ich plane am Abend anzukommen, aber nicht wirklich mit diesem Empfang gerechnet.
Toll. Ich bin dankbar mich um nichts mehr kümmern zu müssen.

Im Mayoka Village singt bei meinem Eintreffen gerade Janis Joplin Me and Bobby Mcgee.
Myriaden von winzigen Fliegen umschwärmen jede noch so kleine Lichtquelle. Dabei sind Hunderttausende von ihnen schon verschieden und zieren das Waschbecken oder liegen am Boden.
Ich bin angekommen.

Malawi, Nkhata Bay, Mayoka Village

Nkhata Bay, Mayoka Village

Info: Busfahrt in Afrika, Von Cape Maclear nach Nkhata Bay

Cape Maclear – Monkey Bay, mit Mototaxi oder Auto
Monkey Bay – Salima 4 Stunden im Minibus, 3.200 MK
Salima – Nkhata Bay, 6 Stunden; großer, sehr voller Bus. 3.500 MK

Wechselkurs: 1 € = 550 Kwacha (MK) Oktober 2014
Reisezeit: Oktober/November
Wetter: Heiß, sonnig, nachts angenehm bis heiß.

Nachklapp zum letzten Post über den Schiffsverkehr auf dem Malawisee.
So kann’s gehen: hatte ich im letzten Beitrag noch geschrieben, dass der Schiffsverkehr mit der MS Ilala im südlichen Teil des Sees eingestellt wurde, erfahre ich in Nkhata Bay, dass die Ilala doch wieder seit Neuestem von hier nach Monkey Bay fährt.

Das Einzige, worauf man sich hier verlassen kann ist, dass man sich auf nichts verlassen kann!

Andere Beiträge dieser Reise u.a.:

Lilongwe, Malawi: Helge Timmerberg und die Begegnung mit Don Brioni
Cape Maclear, Highlight am Malawisee
Mayoka Village, Oase am Malawisee
Geheimtipp für Malawi: Mushroom Farm

Hast du Anmerkungen oder ähnliche Erfahrungen?
Ich freue mich über Kommentare.

2 Kommentare

  1. Susanne Kries sagt

    Lieber Pepo,
    ich habe mit Interesse deinen Bericht über den Malawisee gelesen. Ich bin ganz neidisch auf deine Reise. Ich kenne den Malawisee als Nyassasee von Tansania aus. 1995 besuchte ich unsere Partnergemeinde in Matema, ein Dorf das am Nordufer des Nyassasees liegt. In meinen Vorträgen erkläre ich immer die Länge des Sees: als von München nach Berlin reichend. Matema hat einen unglaublich schönen Sandstrand. Die Wellen, wie du es beschreibst, geben das Gefühl von Meer und man ist jedes Mal erstaunt, kein Salzwasser zu schlucken. Die Fischerboote gehen nachts raus und man sieht die Lichter tanzen.
    Alles Gute weiterhin auf deinen Reisen und vielen Dank für deine Beschreibungen.
    Falls du mal in München bist, melde dich und wir machen ein Sahara-Treffen!
    Mit lieben Grüssen
    Susanne und Klaus

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