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Zen­tral­fried­hof Wien: Tipps für den Wie­ner Friedhof

Mozart-Gedenkstätte mit Gräbern von Beethoven und Franz Schubert auf dem Zentralfriedhof Wien

Der Zen­tral­fried­hof Wien gehört zu den weit über die Donau­me­tro­po­le hin­aus bekann­ten Wie­ner Sehens­wür­dig­kei­tenWer mei­nen Blog etwas näher kennt, weiß, dass ich auch ger­ne mal über einen Fried­hof schrei­be wie zB den Doro­the­en­städ­ti­schen Fried­hof in Ber­lin, Fried­hof Reco­le­ta in Bue­nos Aires oder den„leben­digs­ten Fried­hof der Welt“ in Mani­la. Da liegt es natür­lich nahe bei einem Wien­be­such dem Wie­ner Zen­tral­fried­hof einen Besuch abzustatten. 

Die Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus auf dem Zentralfriedhof Wien ist auch bekannt unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche

Die Fried­hofs­kir­che zum hei­li­gen Karl Bor­ro­mä­us auf dem Zen­tral­fried­hof Wien ist auch bekannt unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche

Die größ­ten Fried­hö­fe der Welt

Der Zen­tral­fried­hof Wien wur­de 1874 eröff­net. Zu die­ser Zeit war er der größ­te Fried­hof Euro­pas. Heu­te liegt der Wie­ner Zen­tral­fried­hof mit einer Grö­ße von 250 Hekt­ar und über drei Mil­lio­nen bestat­te­ter Men­schen an sieb­ter Stel­le der welt­weit größ­ten Fried­hö­fe. Zum Ver­gleich: der Fried­hof Ohls­dorf in Ham­burg ist mit 391 Hekt­ar die größ­te Ruhe­stät­te in Euro­pa und liegt welt­weit auf Platz vier. Und wenn ich schon mal dabei bin: der größ­te Fried­hof der Welt ist mit 917 Hekt­ar — das ent­spricht 1310 Fuß­ball­fel­dern — der Wadi Al-Salam im Irak.

Ent­ste­hung des Zen­tral­fried­hof Wien

In frü­he­ren Jahr­hun­der­ten wur­den die Toten nor­ma­ler­wei­se inner­halb einer Stadt, im Hof ihrer Gemein­de­kir­che, beer­digt. Eine Bestat­tung in Mas­sen­grä­bern war durch­aus üblich. So wur­de auch Mozart sei­ner­zeit in einem Mas­sen­grab auf dem St. Marx Fried­hof beigesetzt. 
1785 wur­den die inner­städ­ti­schen Fried­hö­fe aus Platz­man­gel auf­ge­löst. Hin­fort wur­den die Toten außer­halb der Stadt­mau­ern beer­digt. 

Der weit außer­halb lie­gen­de Wie­ner Zen­tral­fried­hof war zur Zeit sei­ner Eröff­nung im Jahr 1874 nicht wirk­lich popu­lär. Schließ­lich war er für dama­li­ge Ver­hält­nis­se beson­ders müh­sam zu errei­chen. Erst durch die Ein­rich­tung der Ehren­grä­ber­an­la­ge, wo u.a. Lud­wig van Beet­ho­ven, Johann Strauß, Franz Schu­bert und Johan­nes Brahms lie­gen, lock­te der Fried­hof eine ste­tig grö­ßer wer­den­de Anzahl von Besu­chern an.

Ehrengrab des Komponisten Johann Strauss auf dem Zentralfriedhof Wien

Ehren­grab des Kom­po­nis­ten Johann Strauss

Zentralfriedhof Wien: Der Komponist Franz Schubert starb bereits im Alter von 31 Jahren

Der Kom­po­nist Franz Schu­bert starb bereits im Alter von 31 Jahren

Ehrengrab von Beethoven auf dem Zentralfriedhof Wien

Ehren­grab von Beethoven

Heu­te gibt es unter ande­rem katho­li­sche, evan­ge­li­sche, bud­dhis­ti­sche, isla­mi­sche, ortho­do­xe, mor­mo­ni­sche und jüdi­sche Berei­che. Ein beson­de­res Flair ver­strömt der im west­li­chen Teil lie­gen­de alte jüdi­sche Fried­hof. Da er nicht mehr belegt wird, ist das Are­al ver­wil­dert, die Grab­stei­ne ver­wit­tert. Efeu über­wu­chert die ver­fal­len­den Grä­ber und so ist es nicht ver­wun­der­lich, dass man in die­sem Natur­re­fu­gi­um beson­ders am frü­hen Mor­gen auf gra­sen­de Rehe trifft.

Das Gelän­de des Zen­tral­fried­hof ist so groß, dass sogar ein eige­ner Bus mit 19 Hal­te­stel­len alle 30 Minu­ten zwi­schen 9:00 – 15.30 Uhr ver­kehrt! Selbst mit dem eige­nen Auto darf man die Wege des Fried­hofs in ange­mes­se­nem Tem­po kos­ten­pflich­tig befahren.
Last not least: Seit 2019 gibt es sogar zwei (kon­tro­vers dis­ku­tier­te) Jog­gingstre­cken. Der aus­ge­schil­der­te „Silent Run“ geht über 2 oder 5 Kilometer.

Ehren­grä­ber & berühm­te Grä­ber von Prominenten

Ehren­grä­ber gibt es seit dem spä­ten 19ten Jahr­hun­dert. Und zwar aus­schließ­lich auf dem Wie­ner Zen­tral­fried­hof. Hier­mit wer­den Per­sön­lich­kei­ten des öffent­li­chen Lebens aus­ge­zeich­net. Mitt­ler­wei­le gibt es rund 1000 die­ser Ehren­grä­ber, die von der Stadt Wien ver­wal­tet und gepflegt werden.

Neben den bereits erwähn­ten Ehren­grä­bern von Kom­po­nis­ten und ande­ren Ehren­bür­gern der Stadt fin­den sich an ver­schie­de­nen Stel­len die Grab­stät­ten zahl­rei­cher pro­mi­nen­ter Zeit­ge­nos­sen wie zB Udo Jür­gens, Franz Wer­fel, Hel­mut Qualtin­ger, Hel­mut Jandl, Johann Nes­troy, Arthur Schnitz­ler, Curd Jür­gens, Theo Lin­gen u.a.m.
Eines der belieb­tes­ten Grä­ber ist das des Musi­kers Fal­co ali­as Johann “Hans” Hölzel.
Mein Tipp: Am bes­ten besorgt man sich den Lage­plan der Ehren­grä­ber in der Pfört­ner­lo­ge beim Haupt­ein­gang. Hier­in sind alle Ehren­grä­ber und die der berühm­ten Pro­mi­nen­ten aufgeführt.

Auch die Poplegende Falco wurde 1998 auf dem Wiener Zentralfriedhof beigesetzt. Heute ist sein Grab eines der meistbesuchten Grabstätten

Die Pople­gen­de Fal­co wur­de 1998 auf dem Wie­ner Zen­tral­fried­hof bei­gesetzt. Heu­te ist sein Grab eines der meist­be­such­ten Grab­stät­ten (Grup­pe 40, Grab­num­mer 64)

Zentralfriedhof Wien Grabstätte von Udo Jürgens

Udo Jür­gens woll­te nicht unter der Erde bestat­tet wer­den. Jetzt ruht sei­ne Asche in einer Urne in einem wei­ßen Kla­vier aus Mar­mor. Sechs Ton­nen wiegt der von sei­nem Bru­der Man­fred Bockel­mann ent­wor­fe­ne Mar­mor­block, der ein von einem wei­ßen Tuch umhüll­tes Kla­vier dar­stellt und 75.000 Euro gekos­tet haben soll.
(Grup­pe 33 G, Grab­num­mer 85)

Grab von Ernst Jandl auf dem Zentralfriedhof Wien

Grab von Ernst Jandl, Schrift­stel­ler (Grup­pe 33 G, Grab­num­mer 29)

Bestat­tungs­mu­se­um auf dem Zen­tral­fried­hof Wien

Gleich beim Haupt­ein­gang befin­det sich im Unter­ge­schoss der Auf­bah­rungs­hal­le 2 das inter­ak­ti­ve Bestat­tungs­mu­se­um. Auf 300qm kann man Film­aus­schnit­te von gro­ßen Begräb­nis­sen in Wien sehen und — teils skur­ri­le — Expo­na­te des Bestat­tungs­we­sens und des Wie­ner Toten­kults besich­ti­gen. Zu den Sehens­wür­dig­kei­ten gehö­ren Trau­er­klei­dung, Sär­ge und Toten­grä­be­r­uten­si­li­en der ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­te. Unter ihnen gibt es einen Ret­tungs­we­cker und den berühm­ten Klapp­sarg aus dem Jahr 1784, der es zu Zei­ten Kai­ser Joseph II ermög­lich­te, die Toten durch eine Klap­pe zu ent­sor­gen und somit die Sär­ge mehr­fach zu verwenden!
Öff­nungs­zei­ten: Mon­tag bis Frei­tag: 9 – 16.30 Uhr,
1. März – 2. Novem­ber: zusätz­lich Sams­tag 10 – 17.30 Uh
Ein­tritts­preis: Erwach­se­ne: 6,€-

Die Fried­hofs­kir­che Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche

Wenn man den Fried­hof am 2. Tor, also am Haupt­ein­gang, betrittt sieht man in der Fer­ne die beein­dru­cken­de Jugend­stil­kir­che. Auf dem Weg dort­hin pas­siert man die links­sei­tig lie­gen­den Ehren­grä­ber der Kom­po­nis­ten Lud­wig van Beet­ho­ven, Johan­nes Brahms, Johann Strauss oder Franz Schu­bert. Auch Mozart hat hier eine Gedenk­stät­te bzw. ein Schein­grab. Er selbst wur­de aller­dings in einem Mas­sen­grab auf dem St. Marx Fried­hof bestattet.
Die Prä­si­den­ten­gruft vor der größ­ten Jugend­stil­kir­che Wiens ist die letz­te Ruhe­stät­te aller öster­rei­chi­schen Bun­des­prä­si­den­ten seit 1945. Der Innen­raum der Kir­che beher­bergt eine rie­si­ge blaue Kup­pel. Die Fried­hofs­kir­che zum Hei­li­gen Karl Bor­ro­mä­us wird heu­te eher mit dem 1910 ver­stor­be­nen Wie­ner Bür­ger­meis­ter in Ver­bin­dung gebracht.

Die Friedhofskirche zum heiligen Karl Borromäus auf dem Zentralfriedhof Wien ist auch bekannt unter dem Namen Dr.-Karl-Lueger-Gedächtnis-Kirche

Die Fried­hofs­kir­che zum hei­li­gen Karl Bor­ro­mä­us ist die größ­te Jugend­stil­kir­che Wiens

Füh­run­gen über den Zen­tral­fried­hof Wien

Um den Zen­tral­fried­hof noch bes­ser ken­nen­zu­ler­nen gibt es jede Men­ge Füh­run­gen. Dazu gehö­ren zB Der Zen­tral­fried­hof bei Nacht. Eine eher all­ge­mein gehal­te­ne Füh­rung han­delt von der Ent­ste­hungs­ge­schich­te, den Ehren­grä­bern und der Jugend­stil­kir­che. Auf dem fol­gen­den Link erhältst du einen Über­blick über The­men-Füh­run­gen auf dem Zen­tral­fried­hof Wien wie zB Über­blicks­füh­rung von Beet­ho­ven bis Fal­co, die inter­kon­fes­sio­nel­le Füh­rung Juden Chris­ten und Bud­dhis­ten, Unver­gess­li­che und fast ver­ges­se­ne Frau­en oder spe­zi­ell über den Alten jüdi­schen Fried­hof mit Ein­bli­cken in die jüdi­sche Kul­tur.

Adres­se & Anfahrt

Zen­tral­fried­hof Wien
Haupt­ein­gang Tor 2
Sim­me­rin­ger Haupt­stra­ße 234, 1110 Wien
Die Stra­ßen­bahn­li­ni­en 6 und 71 fah­ren von der Innen­stadt in einer knap­pen hal­ben Stun­de zum Zentralfriedhof.
Alter­na­tiv kann man in gut 10 Minu­ten von der Innen­stadt mit der S‑Bahn 7 fah­ren. Die S7 hält am Ein­gang 11, wo direkt der alte jüdi­sche Fried­hof beginnt.
Ach­tung: Da das Gelän­de rie­sig ist, hal­ten die Stra­ßen­bah­nen an ver­schie­de­nen Ein­gän­gen des Friedhofs.
Mein Tipp: Ich bin am Haupt­ein­gang (2. Tor) aus­ge­stie­gen. Wer direkt zum alten jüdi­schen Teil des Fried­hofs will, fährt zur Sta­ti­on Zen­tral­fried­hof 1. Tor.

Öff­nungs­zei­ten des Wie­ner Zentralfriedhof

3. Novem­ber – Ende Febru­ar: 8:00 – 17:00 Uhr
März & 1. Okto­ber – 2. Novem­ber: 7:00 – 18:00 Uhr
April bis Sep­tem­ber: 7:00 – 19:00 Uhr
Mai bis August: zusätz­lich Don­ners­tag bis 20 Uhr

Zentralfriedhof Wien

Grab der Familie Thonet auf dem Zentralfriedhof Wien

Grab der Fami­lie Thonet

Grabstätte auf dem Zentralfriedhof Wien

Wei­te­re Fried­hö­fe in Wien

Wien hat als Beer­di­gungs­stät­te natür­lich nicht nur den Zen­tral­fried­hof! So gibt es laut Goog­le ins­ge­samt 55 (sic) Fried­hö­fe in Wien. Dazu gehö­ren der neben dem Schloss Schön­brunn gele­ge­ne Fried­hof Hiet­zing. Er soll einer der schöns­ten sein. Neben vie­len Mit­glie­dern des k.u.k‑Adels lie­gen hier auch der Dich­ter Franz Grill­par­zer und der Maler Gus­tav Klimt.
Eine ganz eige­ne Atmo­sphä­re besitzt der besinn­li­che und roman­ti­sche Bie­der­mei­er-Fried­hof St. Marx. Die Besu­cher, die hier­her kom­men, kom­men wegen Mozart. Der wur­de zwar 1791 in einem Mas­sen­grab bei­gesetzt, wird aber heu­te mit einem eige­nen Gedenk­grab geehrt.
Der mehr als 400 Jah­re alte jüdi­sche Fried­hof in Wäh­ring ist einer der ältes­ten Fried­hö­fe Wiens. Er wur­de von den Nazis zer­stört und erst 1984 wie­der eröffnet.

Kurio­ses über das Ver­hält­nis der Wie­ner zum Tod

Dass die Wie­ner ein beson­de­res Ver­hält­nis zu ihren Toten haben, offen­bart sich in vie­len Klei­nig­kei­ten und Geflü­gel­ten Wor­ten. Nicht zuletzt heißt es im Sprach­ge­brauch, wenn jemand gestor­ben ist: „er hat den 71er genom­men“ (die Stra­ßen­bahn 71 fährt vom Ring zum Fried­hof). Und wenn von „a schö­ne Leich“ die Rede ist, geht es weni­ger um den Toten als um eine prunk­vol­le Beerdigung.
Mein Bei­trag Bei­trag wäre nicht kom­plett, wenn ich nicht an die­ser Stel­le den Hit von Wolf­gang Ambros aus dem Jahr 1975 erwäh­nen wür­de Es lebe der Zen­tral­fried­hof und olle sei­ne Toten…
HIN­WEIS: Durch kli­cken kommst du zum Video auf You Tube!

Beson­de­re Fried­hö­fe in aller Welt

Eure Beloh­nung für mei­nen Bei­trag ist es, wenn Ihr ihn auf Eurem Social Net­work teilt. Danke!

1 Kommentare

  1. Hey Peter, das war ein sehr amü­san­ter Bericht. Ich mag sie, die Fried­hö­fe und ihre Pro­mi­nen­ten. A schö­ne Leich ist immer was wert! So sind sie, die Wiener!

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