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Auf den Spu­ren der Pil­ger­vä­ter in Ame­ri­ka…

Pilgerväter - Frau am Feuer, Plimoth Plantation bei Plymouth MA

Wer waren die Pil­ger­vä­ter? Wel­che Bedeu­tung haben sie für die ame­ri­ka­ni­sche Geschich­te?
2020 fin­den in den USA die 400-Jahr-Fei­er­lich­kei­ten zur Ankunft der Pil­ger­vä­ter auf der May­flower im Jahr 1620 statt.
Zen­trum für die Fei­er­lich­kei­ten sind vor allem Ply­mouth — Wo alles begann…” und Pro­vin­ce­town auf Cape Cod”.

Auf­bruch in die Neue Welt: Die ers­ten Sied­ler in Neu­eng­land

Ich bin unter­wegs in Neu­eng­land. Genau­er gesagt in Mas­sa­chu­setts, USA, auf den Spu­ren zwar nicht der aller­ers­ten, aber zumin­dest der heu­te bekann­tes­ten „ers­ten“ Sied­ler der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka, den soge­nann­ten Pil­ger­vä­tern.

Die wich­tigs­ten Sta­tio­nen die­ser Aus­wan­de­rer waren dabei rund um Cape Cod im heu­ti­gen Mas­sa­chu­setts. Ihre ers­te Anlan­dung war am 21. Novem­ber 1620 nahe dem heu­ti­gen Pro­vin­ce­town.
Bei ihren wei­te­ren Erkun­dun­gen nach Süß­was­ser und frucht­ba­rem Boden lan­de­ten eini­ge von ihnen am 21. Dezem­ber in der Nähe eines ver­las­se­nen Dor­fes der Patu­xet nahe dem heu­ti­gen Ply­mouth. Ein Groß­teil der Aus­sied­ler folg­te. Eini­ge aber blie­ben zurück und über­win­ter­ten auf der May­flower bei Pro­vin­ce­town. Im Ver­lauf eines har­ten und ent­beh­rungs­rei­chen Win­ter starb die Hälf­te der Aus­wan­de­rer.
Im März 1621 folg­te der Rest der Kolo­nis­ten ins heu­ti­ge Ply­mouth. Dort ange­kom­men, grün­de­ten sie ihre ers­te Sied­lung, die Pli­mo­th Plan­ta­ti­on.

Plimoth Plantation bei Plymouth MA

Pli­mo­th Plan­ta­ti­on

Wer waren die Pil­ger­vä­ter?

Vor­ge­schich­te: 1531 beschlos­sen die eng­li­schen Bischö­fe die Auto­ri­tät des Paps­tes in Eng­land nicht mehr anzu­er­ken­nen. Sie erklär­ten den eng­li­schen König Hein­rich VIII zum Ober­haupt der eng­li­schen Kir­che in Eng­land, der Church of Eng­land.

Die Pil­ger­vä­ter (Pil­grim Fathers) waren Puri­ta­ner; eine Grup­pe streng reli­giö­ser Men­schen, die sich wie­der­um von der Church of Eng­land getrennt hat­ten. Die­se Sepa­ra­tis­ten leb­ten sehr ein­fach und fromm. Sie waren gegen Pomp und reich ver­zier­te Kir­chen und folg­ten streng der Bibel.

Im Eng­land ihrer Zeit wur­den sie vom Staat, aber auch von der Church of Eng­land ver­folgt. Eini­ge von ihnen flüch­te­ten des­halb 1608 nach Lei­den, ins reli­gi­ons­frei­heit­li­che­re Hol­land. Da sie aber nach wie vor loy­al zu Eng­land stan­den und befürch­te­ten, dass ihre Kin­der zu hol­län­disch wur­den, beschlos­sen vie­le von ihnen in die Neue Welt aus­zu­wan­dern. 

Über Eng­land mach­ten sich die­se Pil­ger­vä­ter mit dem Segel­schiff May­flower auf den Weg in die Neue Welt nach Neu Eng­land.

Die Über­fahrt der Pil­ger­vä­ter mit der May­flower

102 Pas­sa­gie­re (28 Frau­en und 34 Män­ner, dar­un­ter 30 Kin­der) und 31 Mann Besat­zung, 2 Hun­de und ein paar Hüh­ner mach­ten sich am 16. Sep­tem­ber von Eng­land auf eine unge­wis­se Rei­se über den gro­ßen Teich. Von Ply­mouth soll­te es zur eng­li­schen Kolo­nie Vir­gi­nia in Ame­ri­ka gehen. Finan­ziert wur­de die Fahrt von einem Zusam­men­schluß von Kauf­leu­ten. Der vor­ge­ge­be­ne Lan­de­punkt war die Mün­dung des Hud­son River. Dort, wo heu­te New York liegt.
Das war im Jahr 1620.
Ihr Schiff war die May­flower.

Schon ihre Abfahrt stand unter kei­nem guten Stern. Ursprüng­lich soll­ten im Som­mer 1620 zwei Schif­fe die Über­fahrt antre­ten, die May­flower und die Speed­well. Am 5. August bra­chen die Schif­fe auf, muss­ten aber schon bald dar­auf wegen eines Lecks der Speed­well umkeh­ren. Nach den zwei­wö­chi­gen Repa­ra­tu­ren und einem erneu­ten Aus­lau­fen leck­te die Speed­well immer noch. Schließ­lich schaff­te man den gesam­ten Pro­vi­ant auf die May­flower und star­te­te end­gül­tig am 16. Sep­tem­ber vom eng­li­schen Ply­mouth.

Die Über­fahrt auf dem ehe­ma­li­gen Fracht­schiff muss für alle eine Stra­pa­ze gewe­sen sein. Die hygie­ni­schen Zustän­de an Bord waren mise­ra­bel. See­krank­heit, Tuber­ku­lo­se und Skor­but mach­te den Aus­sied­lern das Leben schwer und for­der­ten ihren Tri­but.

Die Wet­ter­be­din­gun­gen mit den Herbst­stür­men waren ungüns­tig und so lan­de­te die May­flower nach 66 Tagen 400 km wei­ter nord­öst­lich als geplant, beim heu­ti­gen Pro­vin­ce­town auf Cape Cod. Bevor die ers­te Grup­pe der Aus­sied­ler dort am 21. Novem­ber an Land ging, schlos­sen die Pas­sa­gie­re einen Ver­trag. Sie einig­ten sich auf eine gemein­sa­me Ver­fas­sung, den soge­nann­ten „May­flower Com­pact“. 

Auf den diver­sen Land­gän­gen und Erkun­dun­gen der Umge­bung tref­fen sie zum ers­ten Mal auf India­ner bzw. Urein­woh­ner. Ein­mal kommt es sogar zu einem Schuss­wech­sel, bei dem aber nie­mand ver­letzt wird. Sie fin­den ver­las­se­ne Wig­wams und ver­gra­be­nen Mais. Den Mais steh­len sie kur­zer­hand, um ihn spä­ter zu pflan­zen.

Sie eini­gen sich auf ein geeig­ne­tes Sied­lungs­ge­biet, das bereits vor ihrer Ankunft den Namen Ply­mouth trägt. Den Win­ter ver­brin­gen vie­le aber noch an Bord der May­flower an der Nord­spit­ze von Cape Cod. Ende März geht es dann end­gül­tig ins heu­ti­ge Ply­mouth, wo sie mit der Pli­mo­th Plan­ta­ti­on (s.u.) ihre ers­te Sied­lung bau­en.

Was ist der May­flower Com­pact?

In die­sem Ver­trag wur­de ver­ein­bart, dass alle Aus­sied­ler die glei­chen Rech­te haben soll­ten und sie eine selbst ver­wal­te­te Gemein­schaft zu Ehren Got­tes und des eng­li­schen Königs bil­den woll­ten. Der May­flower Com­pact gilt noch heu­te als eine Grund­la­ge der ame­ri­ka­ni­schen Demo­kra­tie.
Der Ver­trag war sinn­voll, weil die Pas­sa­gie­re ja nicht nur zu der reli­giö­sen Gemein­schaft der Puri­ta­ner bzw. der Pil­ger­vä­ter gehör­ten. Ein Groß­teil der Aus­sied­ler waren Aben­teu­rer und gewöhn­li­che Leu­te, die sich ein bes­se­res Leben in der Neu­en Welt ver­spra­chen. 

Die Puri­ta­ner bezeich­ne­ten sich selbst als Saints im Gegen­satz zu den gewöhn­li­chen Pas­sa­gie­ren, die sie als Stran­gers bezeich­ne­ten.

Wis­sens­wer­tes rund um die May­flower

Modell der Mayflower im Pilgrim Hall Museum in Plymouth MA

Modell der May­flower im Pil­grim Hall Muse­um in Ply­mouth MA

Der 28 Meter lan­ge Drei­mas­ter May­flower war eigent­lich ein Car­go-Schiff. Es war 9 Meter breit und hat­te rund 4 Meter Tief­gang. Der eng­li­sche Kauf­mann Tho­mas West­on — selbst Ange­hö­ri­ger der Puri­ta­ner — orga­ni­sier­te die Über­fahrt und ließ in die May­flower Kabi­nen bau­en. Die engs­ten Kabi­nen im Unter­deck maßen nur 80 x 50 cm!

Neben meh­re­ren Segel­aus­rüs­tun­gen für unter­schied­li­che Wet­ter­la­gen, befand sich ein 9,15 Meter lan­ges Bei­boot im Fracht­raum. Die­ses war für Erkun­dungs­fahr­ten gedacht, muss­te aber nach der Ankunft in Cape Cod erst­mal von den Zim­mer­leu­ten zusam­men­ge­setzt wer­den.

Nach­dem schließ­lich alle Kolo­nis­ten Ende März 1621 in Ply­mouth an Land gegan­gen waren, segel­te die May­flower am 5. April zurück nach Eng­land. Für die Rück­fahrt brauch­te sie durch die jetzt güns­ti­ge­ren Win­de weni­ger als die Hälf­te der Hin­fahrt bis zu ihrem Hei­mat­ha­fen Rother­hi­the an der Them­se, unter­halb von Lon­don.
Bis zum Jahr 1624 taucht die May­flower noch in Schiff­fahrts­ver­zeich­nis­sen auf, um danach von der Bild­flä­che zu ver­schwin­den.

1957 segel­te ein ori­gi­nal­ge­treu­er Nach­bau der May­flower von Eng­land nach Ply­mouth. Dort kann die May­flower II nach einer auf­wän­di­gen Restau­rie­rung seit Herbst 2019 wie­der besich­tigt wer­den.

MEIN TIPP: Vom 7.–14. Sep­tem­ber 2020 soll die May­flower II in Geden­ken der Anlan­dung der Pil­ger­vä­ter in 1620 im Hafen von Pro­vin­ce­town ankern.

Finan­zie­rung der May­flower und der Über­fahrt nach Neu­eng­land

Der Eng­län­der Tho­mas West­on hat­te mit ande­ren Kauf­leu­ten eine Akti­en­ge­sell­schaft gegrün­det, um in eine neue Kolo­nie zu inves­tie­ren.
Da die Pil­ger­vä­ter und die ande­ren Pas­sa­gie­re nicht das nöti­ge Start-Kapi­tal für die Über­fahrt und die ers­ten Jah­re in der Neu­en Welt hat­ten, wur­de alles durch die­se Gesell­schaft finan­ziert. Im Gegen­zug muss­ten sie sich ver­pflich­ten Fische, Pel­ze und Holz für sie­ben Jah­re nach Eng­land zu lie­fern. Mög­li­che Gewin­ne und das Land soll­ten nach die­sen sie­ben Jah­ren zwi­schen den Anteils­eig­nern und Sied­lern geteilt wer­den.

Spu­ren der Pil­ger­vä­ter in Pro­vin­ce­town auf Cape Cod

Die Spu­ren der Pil­ger­vä­ter in und um Pro­vin­ce­town auf Cape Cod sind im Gegen­satz zu Ply­mouth recht spar­sam. Das hängt letzt­lich damit zusam­men, dass die Sied­ler hier nie ver­sucht haben zu sie­deln, son­dern wei­test­ge­hend an Bord der May­flower blie­ben.
Klar, es war ihr ers­ter Kon­takt mit der Neu­en Welt und es gab auch meh­re­re Erkun­dun­gen des Lan­des, bei denen es sogar zu Begeg­nun­gen mit den India­nern der Wam­panoag kam. Aber hier anzu­sie­deln haben sie wohl nie ernst­haft über­legt. Der Boden schien unfrucht­bar und auch die Suche nach Süss­was­ser war nicht erfolg­reich. So war es nur all­zu logisch, dass sie im März 2021 die Segel setz­ten um nach Ply­mouth zu fah­ren.
Sie­he auch mein Bei­trag über den belieb­ten Urlaubs­ort Pro­vin­ce­town auf Cape Cod.

Auf den Spu­ren der Pil­ger­vä­ter im ame­ri­ka­ni­schen Ply­mouth

In Ply­mouth, Mas­sa­chu­setts, an der Ost­küs­te der USA gibt es jede Men­ge Hin­wei­se und Spu­ren der Pil­ger­vä­ter (pil­grims). Der Ort war bereits 1614 vom See­fah­rer Kapi­tän John Smith unter dem Namen New Ply­mouth in eine See­kar­te ein­ge­tra­gen wor­den. Hier gin­gen die Aus­wan­de­rer von Bord der May­flower. Ent­spre­chend wird auch der Ply­mouth Rock, der Stein, auf den sie dem Mythos nach im März 1621 ihren ers­ten Fuß setz­ten, durch das Ply­mouth Rock Memo­ri­al in Ehren gehal­ten. 

In Ply­mouth ent­stand als ers­tes eine Ver­samm­lungs­hal­le und anschlie­ßend die ers­te Sied­lung mit der Pli­mo­th Plan­ta­ti­on. 

Auf einem Hügel — dem Cole’s Hill — weist eine Gedenk­ta­fel dar­auf hin, dass hier die 45 Sied­ler begra­ben sind, die den ers­ten Win­ter 1620/21 nicht über­leb­ten. Auch auf dem Fried­hof von Ply­mouth fin­det man Grä­ber der ers­ten Pil­ger­vä­ter, zB von Wil­liam Brad­ford. 

Gedenkstein für die ersten Toten der Pilgerväter auf dem Coles Hill in Plymouth MA

Gedenk­stein für die ers­ten Toten der Pil­ger­vä­ter

Nach dem Tod von Gou­ver­neur Car­ver im Früh­jahr 1621 wird Brad­ford im Alter von 31 Jah­ren des­sen Nach­fol­ger. Er wird 30 mal in sei­nem Amt bestä­tigt. Dar­über­hin­aus ist er der Ver­fas­ser der „Histo­ry of Pli­mo­th Plan­ta­ti­on“ in der er u.a. das Leben in den neu­en Kolo­nien beschreibt.

Eines der bedeu­tends­te Erin­ne­rungs­stü­cke an die Pil­ger­vä­ter ist zwei­fel­los der natur­ge­treue Nach­bau der May­flower. Nach der auf­wän­di­gen Restau­ran­ti­on liegt die May­flower II seit 2020 für die Fei­er­lich­kei­ten zur 400-Jahr-Fei­er wie­der in Ply­mouth vor Anker.
Sie­he auch mein Bei­trag Ply­mouth — Wo alles begann….

Leben der Pil­ger­vä­ter auf der Pli­mo­th Plan­ta­ti­on

Pilgervater auf der Plimoth Plantation bei Plymouth MA
Vier Kilo­me­ter vom heu­ti­gen Ply­mouth liegt das Muse­ums­dorf Pli­mo­th Plan­ta­ti­on. Die unter­schied­li­che Schreib­wei­se ent­spricht der Schreib­wei­se des dama­li­gen Gover­nors der Kolo­nie, Wil­liam Brad­ford.

Es gibt eine India­ner­sied­lung in der tags­über Nach­fah­ren der Wam­panoag in tra­di­tio­nel­ler Klei­dung leben. Den grö­ße­ren Teil die­ses Frei­licht­mu­se­ums nimmt eine Sied­lung mit bis ins kleins­te Detail rekon­stru­ier­ten Häu­sern, Gär­ten und Pfer­chen ein. Hier leben Schau­spie­ler, die sorg­fäl­tig auf ihre Auf­ga­be vor­be­rei­tet wur­den. Ihre Klei­dung und Spra­che ent­spricht den Pil­grim Fathers aus dem Jahr 1627. Jeder hat sei­ne eige­ne Bio­gra­fie und geht kom­plett in sei­ner Rol­le auf. Es ist fas­zi­nie­rend in das Leben der dama­li­gen Zeit ein­zu­tau­chen und sich mit ihnen über ihr Leben anno 1627 aus­zu­tau­schen.       Plimoth Plantation

Begeg­nun­gen der Pil­ger­vä­ter mit den India­nern

Inner­halb kur­zer Zeit haben die Sied­ler in Ply­mouth zwölf ein­fachs­te Hüt­ten, ein Lager­haus und ein Ver­samm­lungs­zen­trum erstellt. Auf ihre eigent­li­che Auf­ga­be, sich selbst zu ver­sor­gen, schei­nen sie aber nicht wirk­lich vor­be­rei­tet zu sein. Sie kön­nen weder fischen noch jagen, noch Acker­bau betrei­ben. Außer­dem lei­den sie unter Krank­hei­ten und Hun­ger.

Die Gegend rund um Ply­mouth gehört zum Gebiet der Wam­panoag.
Am 1. April erscheint ein India­ner vom Stamm der Wam­panoag in der Sied­lung und begrüßt sie zu ihrer Ver­blüf­fung mit den Wor­ten: „Well­co­me, Eng­lish­men“.
Er stellt sich als Samo­set vor und erzählt in gebro­che­nem eng­lisch, dass er die Spra­che von See­fah­rern gelernt habe.
Durch Samo­set ler­nen sie weni­ge Tage spä­ter den India­ner Squan­to ken­nen. Die­ser spricht flie­ßend Eng­lisch. Er wird in der fol­gen­den Zeit ihr Dol­met­scher und eine wert­vol­le Hil­fe sein.
Tis­quan­tum, der spä­ter als Squan­to bekannt wur­de, war 1914 von einem gewis­sen Tho­mas Hunt mit 19 ande­ren India­nern in Patu­xet (dem spä­te­ren Ply­mouth) gefan­gen genom­men, nach Euro­pa ver­schleppt und in Spa­ni­en ver­kauft wor­den. Über Spa­ni­en gelang­te er nach Eng­land. Auf der Suche nach sei­ner Fami­lie kehr­te er spä­ter zurück nach Ame­ri­ka, nur um fest­zu­stel­len, dass zwi­schen 1616 und 1619 sein gan­zes Dorf und Zehn­tau­sen­de der Wam­panoag einer von den Euro­pä­ern ein­ge­schlepp­ten Seu­che anheim gefal­len waren!

Als gläu­bi­ger Mensch hält Brad­ford den India­ner für ein „von Gott gesand­tes Werk­zeug“.
Von Gott geschickt oder nicht, auf jeden Fall ist es Squan­to, der den Sied­lern zeigt wie man Fische fängt und Mais anbaut. Er dol­metscht und ver­mit­telt ein Tref­fen mit dem Ober­sa­chem Mas­sa­so­it, dem Häupt­ling der Wam­panoag. Obwohl die Sied­ler ein gespal­te­nes Ver­hält­nis zu den India­nern haben, resul­tiert aus die­sem Tref­fen ein Frie­dens­schluss, der 50 Jah­re hal­ten soll­te.

Begegnung der Pilgerväter mit den Wampanoag, Gemälde im Pilgrim Hall Museum in Plymouth MA Copyright Pilgrim Hall Museum

Das Bild “Lan­ding of the Pil­grims” von Hen­ry Sar­gent (1770–1845) zeigt die 
Begeg­nung der Pil­ger­vä­ter mit Squan­to, Es stammt aus der Samm­lung des Pil­grim Hall Muse­um in Ply­mouth MA © Pil­grim Hall Muse­um

Natür­lich waren auch die Urein­woh­ner (Nati­ve Ame­ri­cans) nicht wirk­lich glück­lich über die Euro­pä­er mit denen sie in der Ver­gan­gen­heit schlech­te Erfah­run­gen gemacht hat­ten. Da die Wam­panoag aber durch Seu­chen vie­le Stam­mes­mit­glie­der ver­lo­ren hat­ten, sah Häupt­ling Mas­sa­so­it die Chan­ce sich mit den Eng­län­dern gegen ihre Fein­de, die Nar­ra­gan­sett, zu ver­bün­den. So kam es zu einer Zweck­ge­mein­schaft. Ein gegen­sei­ti­ger Nicht­an­griffs- und Bei­stands­pakt wur­de geschlos­sen. Oben­drein erhiel­ten die Sied­ler 48 Qua­drat­ki­lo­me­ter Land von den Wam­panoag. 

Bis heu­te schei­den sich die Geis­ter, ob das zeit­lich begrenzt und ohne Gegen­leis­tung war!

Thanks­gi­ving Day 1621 und heu­te

Ohne die Unter­stüt­zung von Squan­to und der Wam­panoag India­ner beim Mais­an­bau hät­ten die neu­en Sied­ler kaum über­lebt. Die India­ner leh­ren sie außer­dem jagen, fischen und Fal­len­stel­len.
Als Dank laden die Sied­ler die Wam­panoag nach einer guten Ern­te im Herbst 1621 zum ers­ten Thanks­gi­ving Day auf ame­ri­ka­ni­schem Boden, einem drei­tä­gi­gen Dank­fest, ein.
Die India­ner brin­gen erleg­te Hir­sche und Trut­häh­ne mit.

Noch heu­te wird in den USA jedes Jahr am vier­ten Don­ners­tag im Novem­ber Thanks­gi­ving gefei­ert. Der Tag gilt als einer der wich­tigs­ten Fei­er­ta­ge. Doch nicht für alle gilt die­ser Tag als ein Fei­er­tag. Für vie­le Urein­woh­ner gilt er als ein „Gedenk­tag“ (Com­me­mo­ra­ti­on Day oder „Day of Mour­ning“). Sie wol­len dar­an erin­nern, dass euro­päi­sche Sied­ler in die­sen Zei­ten ihre Vor­rä­te gestoh­len und sie als Skla­ven ver­kauft haben. Da eini­ge India­ner­stäm­me durch die Kolo­na­li­sie­rung der Euro­pä­er ver­nich­tet oder in Reser­va­te gesteckt wur­den, sehen sie kei­nen Sinn dar­in die Ankunft der Euro­pä­er zu fei­ern.

Beson­ders fest­lich mit gro­ßen Umzü­gen und einem Rah­men­pro­gramm wird Thanks­gi­ving in Ply­mouth vom 22.–29. Novem­ber 2020 began­gen.

Die Leyden St in Plymouth MA war die erste Straße der Siedlung der Pigerväter

Die Ley­den St in Ply­mouth MA war die ers­te Stra­ße der Sied­lung

Nach­fah­ren der Pil­ger­vä­ter

Die Ame­ri­ka­ner sind stolz auf ihre Ver­gan­gen­heit und Geschich­te. Ich hat­te das Gefühl, so, wie man anders­wo über das Wet­ter redet, scheint man in Neu­eng­land ger­ne über die Abstam­mung von den Pil­ger­vä­tern bzw. dem Grad der Abstam­mung zu reden.

Vie­le ver­su­chen ihre Abstam­mung auf einen der Pas­sa­gie­re der May­flower zurück­zu­füh­ren. Dafür wur­de 1897 in Ply­mouth die „Gene­ral Socie­ty of May­flower Descen­dants“ gegrün­det. Hier kann jeder Mit­glied wer­den, der sei­nen Ursprung nach­weis­lich auf einen der Pas­sa­gie­re der May­flower zurück­füh­ren kann. Nach Schät­zun­gen der Gene­ral Socie­ty of May­flower Descen­dants trifft dies auf rund 10 Mil­lio­nen Ame­ri­ka­ner und welt­weit auf 35 Mil­lio­nen Men­schen zu.

400-Jahr-Fei­er­lich­kei­ten zu Ehren der Pil­ger­vä­ter

Im Geden­ken an die Anlan­dung der Aus­wan­de­rer 1620 gibt es jede Men­ge 400-Jahr-Fei­er­lich­kei­ten zu Ehren der Pil­ger­vä­ter.
Wei­te­re Web­sei­ten: The first Encoun­ter at East­ham

Quel­len­nach­weis
Neben zahl­rei­chen Gesprä­chen mit Exper­ten in Pro­vin­ce­town, Ply­mouth und auf der Pli­mouth Plan­ta­ti­on, habe ich mich infor­miert bei Wiki­pe­dia, GEO EPO­CHE Das Maga­zin für Geschich­te, Nr 11, Herbst 2003; Spie­gel Geschich­te „Eine Nati­on ent­steht“ von Anke Dürr, 5/2016 und last not least „The May­flower and The Pil­grims New World“ von Natha­ni­el Phil­brick
Mei­ne Recher­chen wur­den unter­stützt durch das Mas­sa­chu­setts Office of Tra­vel and Tou­rism und Aer Lin­gus.

Eure Beloh­nung für mei­nen Bei­trag ist es, wenn Ihr ihn auf Eurem Social Net­work teilt. Dan­ke!

2 Kommentare

  1. Hi mein Lie­ber. Das sind rich­tig tol­le Fotos die du gemacht hast! Ich fin­de vor allem in der Ley­den St in Ply­mouth sieht man, wie noch der alte Ursprung zu ent­de­cken ist. Rich­tig toll!

    LG
    Jörg

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