Amerika, USA
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Ply­mouth (MA): Wo alles begann…

Blick vom Cole's Hill, Plymouth MA

Auf mei­ner Spu­ren­su­che nach den bekann­tes­ten Ein­wan­de­rern Ame­ri­kas, den Pil­ger­vä­tern, bin ich in Ply­mouth (Mas­sa­chu­setts) gelan­det. Die Ply­mouth Kolo­nie an der Ost­küs­te der USA gilt mit dem wei­ter süd­lich gele­ge­nen Vir­gi­nia als Ursprung der Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka.
Ply­mouth ist vol­ler Geschich­te und his­to­ri­scher Sehens­wür­dig­kei­ten. Dabei kommt dem Jahr 2020 eine ganz beson­de­re Bedeu­tung zu!

Wie Ply­mouth ent­stand…

Ply­mouth (57.000 EW) in Mas­sa­chu­setts / Neu Eng­land ist qua­si das Epi­zen­trum der bekann­tes­ten Ein­wan­de­rer aus Eng­land. Die Pil­ger­vä­ter lan­de­ten hier, aller­dings nicht so ganz frei­wil­lig. Die Herbst­stür­me hat­ten sie im Spät­herbst 1620 an die Küs­te von Cape Cod ver­schla­gen.
Über die Über­fahrt der Pil­ger­vä­ter mit der May­flower und die Ankunft in der Neu­en Welt wer­de ich even­tu­ell noch berich­ten.
Die ers­ten, vor­sich­ti­gen Lan­der­kun­dun­gen fan­den 1620 in Pro­vin­ce­town auf Cape Cod statt. Ein paar Wochen spä­ter lie­ßen sich die Sied­ler dann end­gül­tig im heu­ti­gen Ply­mouth nie­der. Dort grün­de­ten sie ihre ers­te Sied­lung, die Pli­moth Plan­ta­ti­on.
Die ers­ten Jah­re und beson­ders die ers­ten Mona­te waren extrem hart. 52 der 102 Aus­wan­de­rer star­ben in den ers­ten Wochen durch Krank­hei­ten und vor Hun­gers­schwä­che. Beer­digt wur­den sie anonym auf einem Hügel, dem Cole’s Hill.

Pil­grim Hall Muse­um

Pilgrim Hall Museum in Plymouth MA
Wenn man nach Ply­mouth fährt, tut man dies wohl in ers­ter Linie um sich ein Bild von den ers­ten Ein­wan­de­rern und den Anfän­gen Ame­ri­kas zu ver­schaf­fen. Also führt mich auch mein ers­ter Gang in das Pil­grim Hall Muse­um.
Das Muse­um stammt aus dem Jahr 1824 und ist eines der ältes­ten von Ame­ri­ka. Es beher­bergt Bil­der, Doku­men­te und sel­te­ne Arte­fak­te von der May­flower. Es behan­delt die Anfangs­zeit der Sied­ler und Begeg­nung mit den Urein­woh­nern bis zum Jahr 1692, dem Ende der Kolo­nie. Dazu kom­men wech­seln­de Aus­stel­lun­gen, die das Leben und die Umstän­de der dama­li­gen Zeit doku­men­tie­ren.

Fei­er­lich­kei­ten 2020: Plymouth400

Nach dem Besuch des Pil­grim Hall Muse­um tref­fe ich Bri­an E. Logan. Er ist der Pres­se­ma­na­ger von Plymouth400 einer Gesell­schaft, die aus­schließ­lich für die anste­hen­de 400-Jahr-Fei­er gegrün­det wur­de. Sie orga­ni­siert die Fei­er­lich­kei­ten und alles was damit zusam­men­hängt. Da sich die Fes­ti­vi­tä­ten wie Umzü­ge, Aus­stel­lun­gen, Aus­flü­ge, Füh­run­gen und mehr­tä­gi­ge Fes­ti­vals über das gan­ze Jahr erstre­cken, erscheint mir beson­ders 2020 für einen Besuch in Ply­mouth geeig­net zu sein. Natür­lich kennt sich Bri­an bes­tens aus und führt uns nach einem Ein­blick in die Pro­gramm­plä­ne als ers­tes zum Ply­mouth Rock. 

Ply­mouth Rock, May­flower II & Cole’s Hill

Plymouth Rock
Der Ply­mouth Rock ist natür­lich nicht irgend­ein Fel­sen oder Stein, son­dern der Stein auf den die Aus­wan­de­rer ihren ers­ten Fuß beim Betre­ten der Neu­en Welt gesetzt haben sol­len. Des­halb liegt er auch gut geschützt, schließ­lich ist er ein Denk­mal und im Natio­nal Regis­ter of His­to­ric Pla­ces ein­ge­tra­gen.
Eben­falls qua­si ein Denk­mal ist die gleich neben­an lie­gen­de May­flower II. Nach jah­re­lan­ger Restau­ran­ti­on liegt sie erst wie­der seit Sep­tem­ber 2019 an ihrem ange­stamm­ten Platz. Mit einer Aus­nah­me: in der ers­ten Sep­tem­ber­hälf­te 2020 soll sie auf Gast­be­such in Pro­vin­ce­town auf Cape Cod vor Anker lie­gen.

Vom Mas­sa­soit-Denk­mal auf dem gegen­über­lie­gen­den Cole’s Hill (mein Titel­bild) hat man einen schö­nen Blick Rich­tung Ply­mouth Rock und May­flower II, die sich aller­dings hin­ter Bäu­men ver­steckt hält.
Auf die­sem Hügel wur­den die ers­ten Toten heim­lich nachts begra­ben, weil die India­ner nicht mit­be­kom­men soll­ten, wie­vie­le es von den Sied­lern dahin­ge­rafft hat­te.
Gleich hier oben beginnt auch die Ley­den Street, die ers­te und somit ältes­te durch­ge­hend bewohn­te Stra­ße in den 13 bri­ti­schen Kolo­ni­en Nord­ame­ri­kas.

Leyden St in Plymouth MA

Ley­den Street

Fried­hof — Old Buri­al Hill

Im his­to­ri­schen Zen­trum von Ply­mouth liegt alles ganz dicht bei­ein­an­der. Die Ley­den St ist nur 200 m lang und heißt ab der Main St dann Church St. Hier ste­hen gleich meh­re­re his­to­ri­sche Gebäu­de: die wei­ße Church of the Pil­grimage, die First Church in Ply­mouth und das Court House Muse­um aus dem Jahr 1749. Vor­her stand an die­ser Stel­le das Government House of the old Colo­ny. 

Mich aber inter­es­siert in ers­ter Linie der auf einem Hügel, dem Old Buri­al Hill, lie­gen­de Fried­hof. Wer mei­nen Blog ab und zu liest, kennt mei­ne Vor­lie­be für Fried­hö­fe. So habe ich u.a. schon über den „Mani­la Nord­fried­hof — Der leben­digs­te Fried­hof der Welt“, den Doro­the­en­städ­ti­schen Fried­hof in Ber­lin oder den Fried­hof Reco­le­ta in Bue­nos Aires geschrie­ben.
Ich fin­de es immer wie­der fas­zi­nie­rend die Grab­stei­ne ver­gan­ge­ner Jahr­zehn­te oder gar Jahr­hun­der­te zu lesen und auf die­se Wei­se eine Zeit­rei­se zu machen.

Grabmal von William Bradford in Plymouth

Old Buri­al Hill: Grab­mal vom lang­jäh­ri­gen Gover­nor der Ply­mouth Colo­ny, Wil­liam Brad­ford

Besuch der Pli­moth Plan­ta­ti­on

Plimoth Plantation
Eine der Haupt­at­trak­tio­nen von Ply­mouth ist defi­ni­tiv das 4 km außer­halb gele­ge­ne Frei­luft­mu­se­um Pli­moth Plan­ta­ti­on. Hier gibt es einen Bereich, in dem man Ein­bli­cke in das Leben der Nati­ve Ame­ri­cans, der Wam­pano­ag, bekommt. Außer­dem gibt es die Sied­lung der Pli­moth Plan­ta­ti­on.
Die­se Sied­lung ist ein gro­ßer Aben­teu­er­spiel­platz. Sowohl für Kin­der als auch für Erwach­se­ne. Hier wird man ins Jahr 1627 zurück kata­pul­tiert. Das bezieht sich nicht nur auf das Ambi­en­te — bis ins kleins­te Detail rekon­stru­ier­te Hüt­ten mit ent­spre­chen­dem Innen­le­ben der dama­li­gen Zeit — son­dern auch auf die Bewoh­ner. Das sind wochen­lang gebrief­te Schau­spie­ler, die in die Klei­dung und Cha­rak­te­re der Aus­wan­de­rer schlüp­fen. Selbst ihre Spra­che ent­spricht der Zeit.
Hier leben sie den All­tag des Jah­res 1627:

Die Sied­ler haben sich mitt­ler­wei­le mehr recht als schlecht ein­ge­lebt. Hat­ten die Pil­ger­vä­ter bei ihrer Ankunft mit der May­flower 1620 nur zwei Hun­de dabei, so sind inzwi­schen durch nach­kom­men­de Schif­fe und Ein­wan­de­rer wei­te­re Tie­re wie Zie­gen und Schwei­ne dazu­ge­kom­men. Ja, es gibt mitt­ler­wei­le sogar bis dato in Ame­ri­ka unbe­kann­te Rin­der!
Es macht Spass sich mit den Bewoh­nern über die Über­fahrt mit der May­flower zu unter­hal­ten oder sich über ihre Ängs­te, Hoff­nun­gen und Ansich­ten über das müh­sa­me Leben auf­klä­ren zu las­sen. Und eh sich der Besu­cher ver­sieht wird er auch schon mal in die täg­li­chen mili­tä­ri­schen Übun­gen mit ein­be­zo­gen.

Der Ablauf in der Kolo­nie spie­gelt die rea­len Ereig­nis­se eines Jah­res wider. Das all­täg­li­che Leben wie kochen, waschen oder Gar­ten­ar­beit, aber auch Beer­di­gun­gen oder Fes­te wie Hoch­zei­ten oder Ern­te­dank­fest.

Plimoth Plantation

His­to­ri­sche Häu­ser:  Jabez How­land House + John and Pri­scil­la Alden Land­mark

Nach einem kur­zen Besuch der Pli­moth Grist Mill — eine funk­tio­nie­ren­de Rekon­struk­ti­on der ursprüng­li­chen Jen­ney-Getrei­de­müh­le — steht die Besich­ti­gung des Jabez How­land House an. Es ist das ein­zi­ge Haus in Ply­mouth, in dem Pil­ger­vä­ter der ers­ten Genera­ti­on leb­ten.
Der ältes­te Teil des zwei­stö­cki­gen Jabez How­land House stammt aus dem Jahr 1667. Der Käu­fer Jabez How­land war der 1644 gebo­re­ne Sohn von John How­land und sei­ner Frau Eliza­beth Til­ley, zwei der ursprüng­li­chen Pil­ger­vä­ter, die mit der May­flower 1620 nach Ame­ri­ka kamen.
Das Haus wur­de 1940 restau­riert und mit Möbeln aus dem 17ten Jahr­hun­dert aus­ge­stat­tet. In dem heu­ti­gen Muse­um sind auch Arte­fak­te und Doku­men­te aus­ge­stellt.

Jabez Howland House in Plymouth MA

Jabez How­land House

Wohnzimmer im John and Priscilla Alden Haus

Wohn­zim­mer im John und Pri­scil­la Alden Haus

Toilette im John and Priscilla Alden Haus 1627 wur­de den “geeig­ne­ten und frei­en” Sied­lern von Wil­liam Brad­ford Land und Vieh zuge­teilt. Eini­ge der Pil­ger­vä­ter ver­lie­ßen Ply­mouth und gin­gen in die nahe­bei gele­ge­ne, uner­schlos­se­ne Gegend von Dux­bu­ry. Dort liegt die sehens­wer­te John und Pri­scil­la Alden Lie­gen­schaft. Das Ehe­paar gehör­te zu den Pas­sa­gie­ren der May­flower.
John Alden war ein ange­se­he­nes Mit­glied der Pli­moth Kolo­nie und beklei­de­te zeit­le­bens hohe Ämter.
Zu sehen sind in Dux­bu­ry zum einen eine archäo­lo­gi­sche Stät­te und zum ande­ren das Haus, in dem das Ehe­paar mit sei­nen (10?) Kin­dern leb­te. Selbst, wenn es gemäß heu­ti­gen Erkennt­nis­sen nicht das  Ori­gi­nal­haus ist, ver­mit­telt es einen sehr guten Ein­druck der dama­li­gen Zeit. Das wohl um 1700 ent­stan­de­ne Haus wur­de ver­mut­lich von sei­nem Nef­fen gebaut. Auf jeden Fall war es immer im Besitz der Alden Fami­lie und gehört heu­te einer Stif­tung.
Ich fand die Besich­ti­gung des jet­zi­gen Muse­ums beein­dru­ckend und einen Abste­cher wert.

Natio­nal Monu­ment to the Foref­a­thers

Bevor ich Ply­mouth Rich­tung Bos­ton ver­las­se, stat­te ich dem in einem Wohn­vier­tel gele­ge­nen Natio­nal Monu­ment to the Foref­a­thers noch einen Besuch ab. Das bereits 1820 geplan­te Denk­mal wur­de erst viel spä­ter gebaut und am 1. August 1889 ein­ge­weiht. Mit 27 Metern Höhe die dritt­höchs­te Sta­tue der USA, gilt es als das größ­te mas­si­ve Gra­nit­denk­mal der Welt. Frü­her als Pil­ger­denk­mal bekannt, soll das auf einem grü­nen Hügel lie­gen­de Denk­mal an die Aus­wan­de­rer der May­flower erin­nern.

Info zu High­lights in Ply­mouth

Ply­mouth liegt 65 Kilo­me­ter von Bos­ton und 126 Kilo­me­ter  von Pro­vin­ce­town auf Cape Cod. Hier gibt es Info und Über­blick über Ply­mouth (MA).

Plymouth MA

Links ist das Old Court House, Mit­te die “First Church” und rechts “Church of the Pil­grimage”

Sehens­wür­dig­kei­ten in Ply­mouth MA

Pil­grim Hall Muse­um, 75 Court St, täg­lich 9:30 — 16:30. Janu­ar: Geschlos­sen.
Mas­sa­soit Denk­mal, Cole’s Hill, Ply­mouth Rock, Ley­den Street lie­gen alle unmit­tel­bar zusam­men.
Fried­hof Old Buri­al Hill, am Ende der Church Street
Pli­moth Plan­ta­ti­on, ca 4 km vom Zen­trum, 137 War­ren Ave; täg­lich 9 — 17 Uhr, Mit­te März — Ende Novem­ber.
Pli­moth Grist Mill, 6 Spring Ln; täg­lich 9 — 17 Uhr.
Jabez How­land House, 33 Sand­wich St; täg­lich geöff­net, 10 — 16:30 Uhr vom Memo­ri­al Day bis zum Colum­bus Day.
John and Pri­scil­la Alden Fami­ly Sites, 105 Alden St, Dux­bu­ry. Geöff­net von Juni bis Mit­te Okto­ber, Mitt­woch — Sams­tag, 12 — 16 Uhr (ohne Gewähr).
Natio­nal Monu­ment to the Foref­a­thers, Aller­ton Street; immer geöff­net, da frei­ste­hen­des Denk­mal

Restau­rants

Geges­sen habe ich u.a. im  East Bay Gril­le (173 Water St), das ins­be­son­de­re für Sea­food steht. Auf der Haupt­stra­ße kann ich das zen­tra­le New World Tavern (Main St) emp­feh­len. Es fällt bei mir unter den Begriff gut­bür­ger­li­che Knei­pe. Hät­te ich nicht den Irish Cof­fee bestellt, hät­te ich es für ein Irish Pub gehal­ten. Es wird aber von einem Deut­schen betrie­ben, der dort nach sei­ner Au Pair Zeit hän­gen­ge­blie­ben ist. Ein paar Schrit­te wei­ter hat mir wegen sei­ner Atmo­sphä­re noch das The Tas­ty (42, Court St) gefal­len.
In Dux­bu­ry war ich zum Mit­tag­essen im Mile­post Tavern.

Hotel

Ich habe im Best Wes­tern Plus in der 180 Court St gewohnt. Es liegt auf einem groß­zü­gi­gen Grund­stück an der Haupt­stra­ße, ca 15 Fuß­mi­nu­ten vom Zen­trum und der Water­front. Es ist ein Dri­ve-In und hat einen Pool. Ich war mit allem sehr zufrie­den.

National Monument to the Forefathers in Plymouth MA

Natio­nal Monu­ment to the Foref­a­thers in Ply­mouth MA

Mei­ne Rei­se wur­de unter­stützt durch das Mas­sa­chu­setts Office of Tra­vel and Tou­rism und Aer Lin­gus

Eure Beloh­nung für mei­nen Bei­trag ist es, wenn Ihr ihn auf Eurem Soci­al Net­work teilt. Dan­ke!

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