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Von Lissabon in den Alentejo – Ein 3-Tage-Ausflug

Alentejo, Portugal Castelo de Vide, Haus mit Gasse, ©PetersTravel

Von Lissabon in den Alentejo:

Ich fahre für 3 Tage von Lissabon in den nördlichen Alentejo. Auf meiner Liste stehen Orte wie Gavaiao, Castelo de Vide, Marvão und Évora.
Lohnt sich das für so kurze Zeit?

Alentejo Portugal: Castelo de Vide, "Zu verkaufen" ©PetersTravel

Was bzw. wo ist der Alentejo? 

Der Alentejo ist eine vom Tourismus bisher weitesgehend außer acht gelassene Region, die sich vom Atlantischen Ozean bis an die Grenze zu Spanien erstreckt. Im Norden grenzt er an die Region „Centro“ und im Süden reicht er bis runter zur Algarve.

Das Bild der einsamen Landschaft wird von weiten Feldern, Olivenbäumen und Korkeichenhainen beherrscht. Die zahlreichen Weinfelder zeigen, dass auch der Anbau von Wein in diesem Gebiet eine gewichtige Rolle spielt.

Alles ist sehr laid back und nicht überlaufen. Ich habe den Eindruck, dass sich das nicht so bald ändern wird. Hier scheint die Zeit noch stehengeblieben zu sein.

Ab und zu taucht mal ein Dorf oder kleines Städtchen auf. Und zwischendurch stößt man immer wieder auf Burgen und Festungen mit großartigen Ausblicken auf die umliegende Landschaft und Täler.

Alentejo, Portugal Gestüt Coudelaria Henrique Abecasis mit Lusitano-Pferden ©PetersTravel

Tag 1
Ein Streik, ein Gestüt mit Lusitano-Pferden und eine Bootsfahrt auf dem Tejo

Der Anfang meines Trips ist etwas holprig. Ein Streik der Taxifahrer blockiert die Zufahrtstraßen zum und vom Flughafen in Lissabon. Das scheint allerdings für die Polizei kein großes Hindernis darzustellen. Routiniert schleust sie uns über einen Bürgersteig und so kann der Trip mit einer kurzen Verzögerung beginnen.

Erster Stop ist nach rund 60 Kilometern der Besuch des Gestüts Coudelaria Henrique Abecasis  in der Nähe von Azambuja.
Ich will zwar gerade kein Pferd kaufen, aber es macht trotzdem Spass Tiago Abecasis den Besitzer der Quinta do Pilar kennenzulernen und seine edlen Lusitano-Pferde zu bewundern. Immerhin zählt sein Gestüt mittlerweile zu den Top 10 für die Zucht von Lusitano-Pferden. Und das, obwohl hier alles bis 1986 noch ein Weingut war, ehe es dann zu einem Gestüt umgewandelt wurde.
Heute kann man von hier in kleinen Gruppen Reitausflüge unternehmen. Sogar bis nach Golega, der Pferdehauptstadt Portugals.
Ach ja, und kaufen kann man in diesem Gestüt natürlich auch: Preis eines 3 Jahre alten Lusitano-Pferdes ca 10.000 €. Ab 10 Jahren geht es dann bis in schwindelerregende Höhen…

Nach einem ruralen Mittagessen im Gestüt geht es weiter. Ich unternehme eine Bootsfahrt von Valada do Ribatejo auf dem River Tagus (= Tejo). Madalena de Mello Viana macht das mit ihrer Firma Ollem schon seit 10 Jahren. Eine Fahrt dauert normalerweise ca 2 1/2 Stunden. Hier fließt selbst der Tejo gemächlich. Man lässt die Landschaft vorbeigleiten, sieht Vögel und besichtigt eines der 12 kleinen Fischerdörfer mit einem winzigem Museum.
Nur ein paar ältere Bewohner sitzen vor ihren Häuschen und genießen die Sonne.
Touristen verirren sich wohl eher selten hierher.

Übernachtung im Alamal River Club
Der Alamal River Club in Gavaiao (5.000 EW) liegt außerhalb des Ortes, am Ende einer Straße. Er ist nur mit dem Auto zu erreichen. Unmittelbar vor der Unterkunft gibt es sogar einen Sandstrand und Schwäne als kleine Ausflugsboote.
Von hier gibt es 3 Wanderwege (Rundwege, ca 20km), die durch die idyllische Landschaft führen. Man kommt sogar zu kleinen Wasserfällen.
Der Fluss-Strand Praia Fluvial do Alamal ist ein Strand der Kategorie „Bandeira Azul“, was einer Qualitätsgarantie entspricht.  Er ist eingebunden in die Anlage der Quinta do Alamal und bietet eine Bar/Restaurant, eine große Liegefläche, Wiesen und als Schmankerl den Blick auf die Burg Castelo de Belver.

Alentejo, Portugal Alamal River Club in Gavaiao ©PetersTravel

Alentejo Portugal: Castelo de Vide, Blick von der Festung, ©PetersTravel

Alentejo, Portugal: Blick von der Festung in Castelo de Vide

Tag 2
Castelo de Vide, 
Marvão und eine Olivenölverkostung

Die Fahrt führt uns zum pittoresken kleinen Bergort Castelo de Vide (220 Kilometer von Lissabon). Schon von Weitem ragt seine Burg aus dem Häusermeer.

Bei unserer Ankunft ist es noch ziemlich frisch, wird dann aber ab Mittag zu einem herrlichen Tag mit Kaiserwetter. Auf dem Programm steht ein Stadtrundgang mit Guide.
Durch die steilen, mittelalterlichen Gassen gehen wir den Berg hoch zur Festung, von wo wir den Rundblick genießen. Auf jeden Fall sollte man die Kirche Nossa Senhora da Alegria aus dem 17ten Jhdt., den Stadtbrunnen und das liebevoll eingerichtete Museum der Synagoge besichtigen. Das frühere Judenviertel gehört zu den besterhaltenen in ganz Portugal.

Alentejo, Portugal: Castelo de Vide, Kirche Nossa Senhora da Alegria, ©PetersTravel

Castelo de Vide, Kirche Nossa Senhora da Alegria

Alentejo, Portugal Castelo de Vide, Dorfbrunnen 2, ©PetersTravel

Castelo de Vide, Dorfbrunnen

Alentejo, Portugal Castelo de Vide, Haus mit Blumen 2, ©PetersTravel

Castelo de Vide

Bei einem reichhaltigen Mittagessen im Hotel Casa do Parque genießen wir von den zahlreichen Spezialitäten der Region u.a. Gazpacho, Sardinen mit Reis und Schweinebäckchen.
Als Nachtisch muss ich dann unbedingt Farófias (Eierschaum) probieren.

Alentejo, Portugal Castelo de Vide, Nachtisch Farófias ©PetersTravel

Nachtisch Farófias

Ein Muss: Der Festungsort Marvão ist ein Schmuckstück…

Nicht weit ist es von Castelo de Vide in das kleine, von einer Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert umgebene, Dorf Marvão mit seinen ca 120 Einwohnern.

Der Ort mit seinen engen, steilen Gassen ist wie aus dem Ei gepellt.
Er ist komplett von einem Schutzwall umgeben und liegt hoch oben auf einem Hügel (860m). Vom höchsten Punkt der Festung (900m)  hat man einen herrlichen Blick auf die weiten Ebenen und Dörfer des Alentejo, bis hin nach Spanien, dessen Grenze nur ein paar Kilometer weiter liegt.

Ein besonderes Erlebnis sind die alljährlich im Sommer im Innenhof der Festung unter der Leitung des Deutschen Christoph Poppen stattfindenden konzertanten Aufführungen.
In 2017 findet der Event vom 21.-30. Juli 2017 statt.

Alentejo, Portugal Marvão ©PetersTravel

Marvão

Alentejo, Portugal Marvão ©PetersTravel

Marvão

Alentejo, Portugal Marvão, Festung mit Garten, ©PetersTravel

Marvão: Festung mit Garten

Alentejo, Portugal Marvão: Festung mit Innenhof ©PetersTravel

Alentejo, Marvão: Festung mit Innenhof

Marvao Castle Olive Oil – Olivenölverkostung im Museum Antonio Picado Nunes

Auf dem Weg nach Portalegre erwartet uns noch ein Schmankerl.
Wir besuchen das kleine charmante Olivenölmuseum Marvao Castle Olive Oil.
Wer mehr über die Entstehung und Verarbeitung des Olivenöls wissen möchte findet hier eine kompetente Führung durch den sympathischen 33jährigen Chef des Familienbetriebes, Antonio Melara Nunes.

Übernachtung: In Portalegre bzw. Reguengo

Das Hotel Quinta de Cabecas de Reguengo liegt ca 3km von Portalegre inmitten des hauseigenen Weingutes.
Ich habe eher das Gefühl in einer Villa oder auf einem Herrschaftssitz zu wohnen. Leider war ich hier nur ein kurze Nacht.
Sehr schöner Blick, Pool, 8 sehr großzügige Zimmer und 3 Suiten, schöne Lounge im Landhausstil. Hervorragende Küche. Eigenes Weingut. Zivile Zimmerpreise ab 75 €! Die Webseite ist auch auf Englisch.

Tag 3
Évora – Weltkulturerbe der UNESCO und kultureller Höhepunkt

Évora (130 km von Lissabon) empfängt uns erstmal nicht so freundlich. Es regnet.
Mit 57.000 Einwohnern ist es die größte und durch seine zahlreichen Kulturgüter und Monumente wohl wichtigste Stadt des Alentejo.

Der römische Dianatempel aus dem 2 Jahrhundert kommt wegen des Regens etwas zu kurz. Dafür geht es dann unter der kompetenten Führung des deutschen Guide André Birken   über das Kopfsteinpflaster zur Kathedrale von Santa Maria.

Mein persönliches Highlight ist die gotisch-maurische Franziskanerkirche São Francisco aus dem 13. Jhdt. Sie wurde 2015, nach anderthalbjähriger Restauration, wiedereröffnet und strahlt in neuem Glanz.
Direkt daneben befindet sich die aus dem Rahmen fallende, berühmte Capela dos Ossos (Knochenkapelle) aus dem 17. Jahrhundert. Ihr Leitspruch über dem Beinhaus lautet: Nos Ossos que aqui estamos Pelos vossos esperamos = Unsere Knochen, die hier ruhen – Auf Eure warten wir!
Sie beherbergt mehr als 5.000 Knochen von hunderten von exhumierten Körpern von den Friedhöfen der Stadt im 16. Jahrhundert.
Der Ort mutet schon etwas gruselig an.

Nach soviel Kultur kümmern wir uns im ausgezeichneten Restaurant Dom Joaquim mit Pastete mit Spanferkel und der zuckersüßen Kalorienbombe Sopa Dorada um unser leibliches Wohl.

Auf dem Rückweg nach Lissabon, passieren wir kurz vor Évora den Cromeleque dos Almendres. Es ist das portugiesische „Stonehenge“ und stellt die größte Ansammlung von Menhiren – steinzeitliche Kultstätten – auf der Iberischen Halbinsel dar.

Alentejo, Évora: Franziskanerkirche São Francisco, ©PetersTravel

Évora: Franziskanerkirche São Francisco

Alentejo, Évora, Nachtisch Sopa Dorada, ©PetersTravel

Nachtisch Sopa Dorada im Restaurant Dom Joaquim

Beste Reisezeit für den Alentejo

Am besten Frühling oder Herbst. Im Sommer ist es extrem heiß und im Winter kann es ziemlich kalt werden!
Ich war im Oktober auf Einladung von Turismo de Portugal unterwegs. Dabei hatte ich etwas Regen und bisweilen war es ziemlich frisch.

Alentejo, Évora: Capela dos Ossos, ©PetersTravel

Capela dos Ossos

Alentejo, Évora: Capela dos Ossos, ©PetersTravel

Capela dos Ossos

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3 Kommentare

  1. tauss sagt

    Wieder mal ein Superbericht… werde im Juni in der Gegend von Beja sein und von dort aus die Gegend erkunden..

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